Anti-israelische Hetze in Wuppertal

Hier dokumentiere ich einen Gastbeitrag von Menschen, die gegen eine antisemitische Kundgebung in der Wuppertaler Innenstadt interveniert haben. Geschehen am 24.11.2012. Am Ende des Textes gibt es noch zwei Videos, die den ganzen Wahn eindrücklich visualisieren. Achtung: Fremdschamalarm! In Wuppertal kommen solche Veranstaltungen leider öfter mal vor.

Achtziger-Jahre-Retro-Kundgebung in Wuppertal-Elberfeld

Was viele für Partytrash halten – die 80ziger – leben andere tagtäglich und halten auch noch Redebeiträge über diese Ideologie. So z.B. Redner*innen auf der heutigen Kundgebung der palästinensischen Gemeinde Wuppertal in der Elberfelder Innenstadt.

Das Gute: ein paar Menschen haben am Rande der Kundgebung Flugblätter verteilt, deren Inhalt den unsäglichen Aussagen der Kundgebung ein wenig entgegen wirken sollte. Der Nachteil dabei: Selbige Personen mussten dabei zwangsläufig die Redebeiträge hören. Dieses Leiden wollen wir ein wenig mit euch teilen.

Relativ zu Beginn sprach Herr Zielezinski von der Ratsfraktion der Linkspartei im Wuppertaler Stadtrat. Wenig überraschend echauffierte er sich über Israels Handeln und stellte fest, dass Israel dadurch sein Existenzrecht verloren hätte. Überfordert von so viel Pseudofriedensgetue hinter welchem sich nur mühsam – eher gar nicht – das antiisraelische Ressentiment versteckte, konzentrierten sich die Verteiler*innen lieber auf eben jenes Verteilen statt weiter den realitätsfernen, rein ideologischen Ausführungen zu lauschen.

Diverse „Hoch die internationale Solidarität“ und „USA – Internationale Völkermordzentrale“-Rufe später sprach ein weiterer Herr. Er begann seine eindrucksvolle Rede mit der Feststellung, dass der Gazastreifen deswegen so wichtig ist, weil das palästinensische Volk quasi Prototyp und Vorbild für alle Nachbarvölker und überhaupt widerständigen Völker weltweit sei. Denn das palästinensische Volk kämpft gegen den Imperialismus. Also gegen Israel – aber eigentlich gegen die USA, den die stecken wie immer hinter allem. Weil sie Öl wollen. Unter der „Gefahr für den Weltfrieden“ macht es der Herr nicht. Eindeutiger Höhepunkt der Rede war jedoch folgender Satz:

„Immer wenn die reaktionäre israelische Regierungs- und Kriegspolitik kritisiert wird, wird dem von allen das Recht auf Selbstverteidigung entgegengehalten. Wir wissen aus der Geschichte Deutschlands, das diese scheinheilige Argumentation schon immer für imperialistische Aggressionen herhalten musste.“

Für alle denen dieser Wahnsinn, der nur durch jahrzehntelange Kaderschulung in K-Gruppen zu erklären ist, zu verklausuliert ist, hier die Übersetzung: Gemeint ist, dass Israel sich genauso selbstverteidigt, wie Deutschland sich mit dem 2. Weltkrieg gegen den vermeintlichen Überfall aus Polen „verteidigt“ hat. Kurz: Israel (aka das reaktionäre israelische Regime) ist kein Stück besser als die Nazis – also jeder „Widerstand“ gegen Israel gerechtfertigt. Dazu passte natürlich auch das ständige reden von Völkermord und Rassismus. Wenn Israel seit seiner Gründung 1948 einen Völkermord an den Palästinensern begeht, ist da wirklich der ineffektivste Völkermord ever. Aber mit Fakten oder auch nur konkreten Kritikpunkten hatten es alle Redner*innen nicht so. Es reichte allen eine bloße Feststellung wer Täter und wer Opfer ist. Auf welcher Grundlage sie zu diesem eindeutigen Ergebnis kommen, ist nicht relevant – Ressentiment rules. Die Stichworte sind immer dieselben – Israel besetzt, mordet, foltert, enteignet. Palästinensische Akteure kommen nicht vor – außer eben als das widerständige Volk.

Ein weiterer Höhepunkt waren die Grußworte des Frauenverbandes Courage e.V., die gerade von einer eigenen Kundgebung anlässlich des morgigen internationalen Tages gegen Gewalt gegen Frauen kamen. Sie waren sich nicht zu blöd sich solidarisch zu erklären, weil vor allem Frauen und Kinder unter der Situation in Gaza leideten. Schuld daran: Natürlich Israel. Wer sonst? Die Dreistigkeit mit der hier Gewalt gegen Frauen, die vor allem in der Familie stattfindet, im Falle der innerpalästinensischen Gesellschaft zugunsten einer Parteinahme gegen Israel übergangen wird, ist erschreckend. Über Frauen und Mädchen in Gaza zu reden ohne die islamistische, patriarchale Ideologie der Hamas in den Blick zu nehmen, ist eine Unverschämtheit erster Güte.

Was gab´s sonst noch? Alle Klassiker, die man so erwartet. Z.B. das Bedauern über Flüchtlinge, denen von ihren Führern 1948 versprochen wurde, sie müssten nur kurz fliehen, weil man in ein paar Tagen Israel vernichtet hätte (das mit den 7 Tagen kam in der Rede vor; der Rest natürlich nicht) und die seitdem auf gepackten Koffern sitzen, um jeden Tag zurückkehren können. Wer ist Schuld an solch einem schrecklichen Leben – ´türlich Israel und auf gar keinen Fall die palästinensischen Führer die möchten, dass Menschen 64 Jahre lang im Flüchtlingsstatus bleiben, um als Droh- und Verhandlungsmasse „Flüchtlinge“ aufrecht erhalten zu werden. Die jeder neuen Generation einreden, ihr Leben hätte nur ein Ziel – „zurück“ zu kehren und nicht etwa dort wo man ist ein erfülltes Leben zu führen, mit persönlichen statt völkischen Zielen.

Eine Anekdote am Rande: Älteres Päärchen steht an der Kundgebung. A: Was steht da auf dem Schild? B, bemüht sich das Schild zu entziffern: „Free Gaza“. A: „Was soll das heißen.“ B, überlegt kurz: „Na, gegen Juden.“. Beide gehen mit einem „Aha“, weiter in die CityArkaden. Problem: Beide wirkten nicht so als hätten sie Schwierigkeiten damit. Aber das ist nur eine Vermutung.

Irgendwann war das Grauen dann endlich vorbei und wir konnten nach Hause gehen. Aber vermutlich wird es nicht die letzte notwendige Intervention gewesen sein.

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