Nachtreten bitte

Nachdem die übliche Empörungswelle über die Unverfrorenheit Israels auf dschihadistischen Terror mit militärischen Mitteln zu reagieren abgeflaut ist, kommt nun das Nachspiel. Eine kurze Weile verschwand Israel von der medialen Bildfläche bis sich Mahmoud Abbas aka Abu Mazen vor die UN-Vollversammlung stellte und um die Aufwertung Palästinas zum Beobachterstatus bat. Mit einer „überwältigenden„, aber doch ziemlich vorhersehbaren Mehrheit wurde Palästina respektive Abbas dieser Status zu erkannt. Alle waren glücklich und fielen sich in die Arme. Endlich hat das Leid des palästinensischen Volkes ein Ende, inşallah. Und was macht Israel?

Anstatt nun endlich die Gelegenheit zu nutzen und die Hand freundschafltich gen Gaza und Ramallah zu strecken, genehmigt die israelische Regierung den Bau von 3000 Wohnungen im Westjordanland! Also eine quasi – Kriegserklärung. Wie beim Votum bei der UN ist sich die Weltöffentlichkeit wieder mal einig: Vom UNO-Generalsekretär über Europa bis nach Russland verurteilen alle Regierungen diesen Schritt Israels. Frankreich und Großbritannien bestellten sogar die israelischen Botschafter ein und drohen mit weiteren Konsequenzen.Vielleicht wäre der Aufschrei nicht ganz so laut gewesen, wenn Israel auf die faktische Aufkündigung des Friedensprozesses seitens der Fatah anstatt mit dem mörderischen Bau von Wohnungen mit dem friedensfördernden Beschuss der palästinensischen Zivilbevölkerung mit Artillerie im Stile der Hamas reagiert hätte. Offensichtlich ist solch ein Vorgehen völkerrechtlich höher angesehen als der Bau von Immobilien. Und wie genau es die Leitmedien mit der Wahrheit nehmen, zeigt dieses Beispiel. Das sagt Spiegel Online:

Das Bauvorhaben bezieht sich insbesondere auf die sogenannte Zone E1 zwischen Jerusalem und der Siedlung Maale Adumim. Das Vorhaben, Maale Adumim an die jüdischen Siedlungen in Ostjerusalem anzubinden, gefährdet eine palästinensische Staatsgründung, weil dadurch das Westjordanland zweigeteilt würde.

Und das sagt Google Maps dazu: (A) ist die im Text genannte „Siedlung“. Die gestrichtelte Linie ganz rechts ist die Grenze zu Jordanien.

Bild1

Als kritischer und israelsolidarischer Mensch, ist man es ja gewöhnt, dass deutsche Medien bei Berichten über Israel nicht nur Fakten weglassen, sondern auch gerne mal absurde Zahlen und scheinbare Fakten in den Raum stellen und weiß, dass man manchmal Hintergrundinformationen – oder einfach englischsprachige Medien – braucht, um zu erfahren was hinter einer Meldung steckt. Aber so eine dreiste Lüge wie die von Spiegel Online, die innerhalb von einer Minute per Google falsifizierbar ist, lässt einen dann doch inne halten – und nicht nur an der Berichterstattung, sondern auch an der Ahnungslosigkeit der  Medienkonsument*innen, die solchen schlecht gefälschten Berichten Glauben schenken, verzweifeln. Die ARD hält es ähnlich mit der Wahrheit. Spiegel-Online ist in dieser Hinsicht sowieso neurotisch, mit einem krakeelenden Jakob Augstein an der Spitze der „Im Zweifel Link(s)“en. Das Pendant bei den Öffentlich-rechtlichen heißt Sebastian Engelbrecht.

So absehbar die deutsche mediale Reaktion auch ist, so wenig kann ich mich daran gewöhnen. Das Menschen so gegen jede Vernunft und jede Logik ankämpfen und krampfhaft an ihrem Ressentiment festhalten, ist mir unverständlich. Antisemitismus ist wie eine Seuche, die sich in den Poren der Menschen festgesetzt zu haben scheint. Allerdings will keiner Antisemit sein. Alle kritisieren nur freundschaftlich Israel, um des Friedens willen. Unterhalb vom Judenmord kann es keine Antisemiten geben und wer trotzdem mit der „Antisemitismuskeule“ wild um sich schlägt, macht es den wahren Antisemiten um so leichter. Vermutlich denkt es in den meisten Autor*innen auch so und sie schreiben deshalb so eine gequirlte Kacke. Auch denkbar ist wohl, dass man in linken und mainstream Medien keine Jobs mehr kriegt, wenn man zu ausgewogen über den Nahostkonflikt berichtet, in der die Palästinenser nicht als die Opfer der Juden dastehen. Die Sicherheit Israels ist laut Merkel Staatsräson. Die Dämonisierung Israels ist offenbar mediale Branchenräson. Und wieso ist das so? Wer weiß…

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4 Gedanken zu „Nachtreten bitte

  1. Paul

    Danke für diesen Beitrag.
    Meine Lehre daraus? Ich werde mir weiter die „Finger wund“ schreiben für die Wahrheit in Nahost und Hoffnungslosigkeit wird mich nicht überwältigen.
    LG Paul

    Antwort
  2. tk

    Nethanjahu hat in einem Interview mit der Welt auch nochmal kurz was dazu gesagt:

    Die Welt: Aber der Ort, an dem nun Siedlungen gebaut werden sollen, macht die Schaffung eines palästinensischen Staates in der Zukunft sehr schwierig.

    Netanjahu: Da bin ich anderer Meinung. Man spricht von einem Palästinenserstaat, der Gaza und das Westjordanland umfasst, wo es kein zusammenhängendes Territorium gibt. Hier sprechen wir hingegen von einem Gebiet, das etwa ein, zwei Meilen breit ist und Jerusalem mit einem Vorort verbindet, der in allen Friedensplänen bei Israel verbleiben wird. Alle vorherigen israelischen Regierungen haben die Position vertreten, dass dieser Vorort, Maale Adumim mit seinen 40.000 Einwohnern, in einer endgültigen Lösung Teil Israels sein wird.

    Alle diese Regierungen haben über die Möglichkeiten geredet, Tunnel, Brücken oder Straßen zu bauen, um palästinensische Bewegungsfreiheit zu ermöglichen. Zu sagen, das würde einen palästinensischen Staat gefährden, ist weder wahr noch verantwortungsvoll. Ohnehin haben wir bis jetzt nur die Planungsphase gestartet, und dann werden wir sehen. Wir werden dann gemäß dessen handeln, was die Palästinenser tun. Wenn sie nicht unilateral handeln, dann haben wir auch nicht die Absicht es zu tun.

    Antwort

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