Der Skandal, der keiner ist

Vor ein paar Tagen las ich das hier:

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrichhat Rapper Bushido (34) wegen einer stilisierten Nahost-Karte auf dessen Twitter-Profil kritisiert. Die Karte mit dem Schriftzug „Free Palestine“ (Befreit Palästina) zeigt das Gebiet Israels in den palästinensischen Farben. „Dieses Kartenbild dient nicht dem Frieden, sondern sät Hass“, sagte Friedrich (55) der „Bild am Sonntag“.

Ferner forderte Friedrich, dass Integrationspreisträger Bushido sein Profilbild umgehend löschen solle ganz so, als ob er dann aufhören würde Antisemit zu sein. Darüber, dass Leute wie Bushido Antisemiten sind kann man  sich nun mal wirklich nicht aufregen. Wem war das nicht klar? Aufregen kann man sich eher darüber, dass das die ganze Zeit fahrlässig ignoriert wurde. Dass sich im deutschen Rap ein offener Antisemitismus etabliert hat und das schon seit einigen Jahren kann nur denjenigen nicht aufgefallen sein, für die Augstein ein „kritischer Journalist“ ist und Antisemitismus erst mit dem Mord an Juden beginnt. Das als „provokant“ geltende Gangster- und Straßenrapbiz ist seit geraumer Zeit von einer Generation von deutschen Jugendlichen mit muslimischem Background beherrscht, denen die Geschichte ihrer Ahnen keinen vergleichbaren Grund für Skrupel „aufbürdet“ wie ihren Kollegen ohne Migrationshintergrund und sie deshalb kaum Hemmungen haben offen auszusprechen, was sie von Juden und Israel halten. Rapper aus dem „bürgerlich-deutschen“ Lager sind zwar häufig nicht weniger antisemitisch, leben ihre Ressentiments aber aufgrund gesellschaftlicher Tabus nicht so ganz offen aus und verkleiden sie in einem gesellschaftskritischen Kostüm. Prinz Pi ist da ein prominentes Beispiel für. Der selbsternannte „Beweis für intelligenten Rap“, gegen den alle anderen Rapper sind „wie gehandicapt“, hat hinsichtlich antisemitischer Ressentiments so einiges auf Lager. Hier sei nur auf den Song „Zeichen der Weisen“ hingewiesen. Der Titel deutet schon an wohin die Reise geht und man wird nicht enttäuscht. Ganz im Stile des Originals, schwadroniert auch Priniz Pi von einer geheimen Verschwörung, die die Welt beherrscht, denn: „Sie sind älter als alt, weiser als weise/stärker als stark erkennt ihre Zeichen“ (Prinz Pi, Zeichen der Weisen). Selbstverständlich wird nicht offen ausgesprochen wer genau gemeint ist, aber der Geist der Zuhörenden wird die Leerstellen vervollständigen und die Andeutungen verstehen. Dass sich die gesellschaftliche Analyse in wilden Verschwörungstheorien erschöpft ist kein Alleinstellungsmerkmal von Prinz Pi, der sich explizit wünscht, dass mehr Rapper sich mit politischen Themen beschäftigen sollten. Angesicht der Protagonisten, ihrer Fans und der allgemeinen gesellschaftlichen Stimmung kann man sich nur wünschen, dass sie es unterlassen und weiter ihre sinnfreien Clownsnummern abziehen. Leider tun dann einige Rapper dann doch so, als hätten sie irgendeine Ahnung und produzieren fleißig Songs, die verboten wären, wenn die Interpreten „Landser“ hießen.

Ein eigenes Phänomen sind linke Rap-Acts. Wer sich als linke*r politische*r Rapper*in definiert, behandelt auch dementsprechend mehr oder minder wichtige gesellschaftspolitische Themen in den eigenen Songs. Fast schon logisch ist es, dass aufgrund von Verkürzungen immer wieder die gleichen Bilder rezipiert werden, die ein „Wir“ vs. „Die“ aufmachen und somit gleich die  gefährliche – weil zu antisemitischem Verschwörungsdenken neigende – Denke liefern . Es ist nicht prinzipiell jeder linke Rap-Act problematisch. Allerdings gibt es dann solche Fälle von „linkem“ Rap, die wahlweise ziemlich peinlich, dumm und  auf eine Weise antiimperialistisch ist, die sich einem vor Fremdscham die Zehennägel aufbiegen lassen, wie die hier. Oder aber die direkt aus dem linken antiimperialistischen Lager kommend ins Rechte wechseln, was durchaus folgerichtig ist, und weiter ihren Müll verzapfen. Inhaltlich tut sich da nicht mehr viel.

Zum Schluss bleibt noch festzuhalten, dass im Geburtsland des Rap ebenfalls ein fettes Antisemitismusproblem herrscht und auch hier in Deutschland das Problem mit dem Fortschreiten der „Generation Jihad“ größer werden wird. Daher bleibt nur zu hoffen, dass mehr Rapper die Überzeugung finden, das „politischer Rap“ „weak, weackydi wack (Politischer Rap, Koljah)“ ist und es sein lassen. Oder sich gänzlich anders positionieren.

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6 Gedanken zu „Der Skandal, der keiner ist

    1. CWWDBI

      was ist daran antisemitisch wenn man sagt „ticke kokain an die juden von der börse“ wenn man tatsächlich kokain an jüdische börsenmakler verkauft hat? mir fehlt das negativ konnotierte adjektiv im bezug auf die juden in diesem satz. „ticke kokain an die scheissjuden von der börse“ etc. wäre ja klar gekennzeichnet, aber dass die linksextremen faschos immer in jeden müll irgendwelche anfeindungen reininterpretieren ist einfach lächerlich. wäre „ticke kokain an den jugo von der börse“ in ihren augen etwa feindlich gegenüber jugos gemeint? ich denke nicht. hier wird nur einfach wieder ein weiterer grund gesucht um mit der antisemitismuskeule ein paar schädel zu maltretieren.

      Antwort
      1. S1R Autor

        was ist daran antisemitisch wenn man sagt “ticke kokain an die juden von der börse” wenn man tatsächlich kokain an jüdische börsenmakler verkauft hat? mir fehlt das negativ konnotierte adjektiv im bezug auf die juden in diesem satz

        Was gibt es daran nicht zu verstehen und was soll er Quatsch mit den Börsenmaklern heißen? Es bedarf keines „negativ konnotierten“ Adjektivs, damit die von dir zitierte Zeile antisemitisch ist. Juden mit Geld ergo Börse zu assoziieren ist ein uraltes antisemitisches Klischee und es wird nicht weniger antisemitisch, nur weil das auf einen Hiphop Beat gerappt wird.

        aber dass die linksextremen faschos immer in jeden müll irgendwelche anfeindungen reininterpretieren ist einfach lächerlich.

        So so, was kreativeres ist Dir nicht eingefallen oder was? Wenn man Antisemitismus kritisiert, ist man linksextrem und Faschist? Hört hört, wie interessant. HipHop ist Anfeindung per se, darum geht es in den allermeisten Fällen, zu sagen wenn man scheiße findet. Aber in deinem Beispiel geht es um die Assoziation von dem „Juden“ mit Geld. Und ja, dass ist antisemitisch.

        wäre “ticke kokain an den jugo von der börse” in ihren augen etwa feindlich gegenüber jugos gemeint?

        Falls Du mit „Jugos“ Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien meinst, so ist der Satz auch denen gegenüber „feindlich“, auch wenn du es wahrscheinlich anders meinst. Es gibt zwar keine vergleichbare gesellschaftliche Verknüpfung zwischen „Jugos“ und Geld wie bei den „Juden“ und Geld Dennoch ist dein Beispiel zumindest rassistisch. Warum das so ist, kannst du dir herleiten.

        hier wird nur einfach wieder ein weiterer grund gesucht um mit der antisemitismuskeule ein paar schädel zu maltretieren.

        Genau, die berühmte Keule. Immer wenn man Leuten ihren Spaß am Juden aka Israelis aka Zionisten – Bashing verdirbt, werfen sie einem die Keule vor. Na dann, frohes keulen.

        Antwort
  1. Pingback: Die Orsons auf dem WorkersYouth Festival in Dortmund – Sexismus &Transphobie welcome? | Emanzipatorische Antifa Münster

  2. Pingback: Sa: 18.05. „Die Orsons“ in Dortmund – Transphobie und Sexismus welcome? « autotrans* & w.i.r.

  3. lh2r

    „Dennoch ist dein Beispiel zumindest rassistisch. Warum das so ist, kannst du dir herleiten.“
    Ich befürchte nicht – also dass sie/*/er es sich herleiten kann. Aber Daumen hoch, dass Du auf so einen sinnbefreiten Kommentar noch halbwegs konstruktiv antwortest, Die sinnvolle Konstruktivität – die hätte ein eigenes Wort verdient.

    Antwort

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