Der liebe Hasso

Es ist schon wieder Herbst und mit dem kürzer werden der Tage hänge ich häufiger wieder lesend vor dem Rechner anstatt was Sinnvolles zu tun. Auf meinem Lieblingsportal für gute und objektive Nachrichten stieß ich auf diesen Artikel. Zitat:

Nach behördlichen Schätzungen leben etwa 65.000 Straßenhunde allein in Bukarest, jedes Jahr kommt es zu Tausenden Bissattacken, Tendenz steigend. Weil also das Thema Straßenhunde so viele Menschen in Rumänien betrifft, ist der Tod des vierjährigen Ionut am 2. September immer noch jeden Tag eines der Top-Themen in rumänischen Medien.

Ein Kleinkind wird von einem Straßenkötter tot gebissen. Das Ereignis ist schrecklich und eigentlich erwartet man ja, dass die Stadtverwaltung was tut und beispielsweise anfängt, die Viecher systematisch einzuschläfern. Zumindest wäre das logisch. Und dass Rumäniens Politiker an diesem Punkt Vernunft zeigen, erfährt man aus einem anderen Artikel:
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Alles nur Ironie aka Kunst darf alles

Seit einer Weile auf der mentalen Textproduktions-To-Do-List war ein Text zu den Orsons. Durch die Erkenntnis, dass selbige am 11. Mai 2013 in Dortmund auf einem Jugendcamp, organisiert von Falken und Jusos, spielen, hat sich die Fertigstellung ein ganz klein wenig beschleunigt. Zur Info: In dem Artikel kommen Songzitate der Band vor, die transphop und antisemitisch sind und sexualisierte Gewalt beschreiben. LH2R

So langweilig, wie unglaublich: Die Tatsache, dass es Leute – auch „Künstler“ genannt – gibt, deren Ego scheinbar so viel mentalen Raum einnimmt, dass kein Platz mehr für Vernunft ist. Viel unglaublicher jedoch die Tatsache, dass deren Masche auch noch auf Resonanz stößt. Aus dem Deutsch-Grundkurs ist ihnen scheinbar nur dunkel in Erinnerung geblieben, dass es ein Stilmittel namens „Ironie“ gibt, dass die brauchbare Verwendung von Ironie allerdings intelligente Texte  – und auch nachdenkende Zuhörer*innen – voraussetzt, ist ihnen jedoch entgangen.

Folge: Stumpfe Texte, die im Niveau eindeutig auf einer Ebene mit Haftbefehl rangieren, jedoch durch die Performance der „Künstler“ behaupten irgendwie ironisch (= lustig, aber trotzdem mit guten Inhalten) zu sein.

Dazu bleibt eigentlich nur zu sagen: Ich hab nichts prinzipiell gegen Humor. Nur ist Sexismus nicht lustig. Genauso wenig wie Transphobie, sexualisierte Gewalt und Antisemitismus.

Wovon ich eigentlich rede? Davon, dass eine grottenolm-schlechte Band wie „Die Orsons“ fetten inhaltlichen Müll absondern darf ohne große Konsequenzen. Ach doch, Konsequenzen gibt es: Erfolg. Immerhin ist die Palette der anstehenden Gigs recht bunt: Vom „Workers Youth Festival“ der Falken und Jusos bin hin zum Rock am Ring. Weiterlesen

Politischer Rap

Als ich die Videos zu Raputation.tv gesehen habe, musste ich mal wieder über den Sinn und Zweck von politischem Rap nachdenken.

Letztens hab ich wieder einen Track aufgenommen und mir wie fast jedes Mal die Sinnfrage gestellt. Warum mach ich das? Was will ich damit? So richtig weiß ich das nicht, außer das es Spaß macht zu rappen. Der ausbleibende Erfolg (gemessen an Klicks und Likes in diversen sozialen Netzwerken,  Einladungen zu Konzerten, verkaufte CDs) spricht jedenfalls nicht dafür, dass ich etwas künstlerisch in dem Sinne wertvolles produziere, dass es viele Menschen ansprechen würde. Es könnte natürlich sein, dass meine Musik schlecht ist, weil ich kein guter Rapper bin, die Beats nichts können und sich auch insgesamt kein angenehmes Hörerlebnis einstellen möchte. So ganz richtig kann das aber nicht sein, denn gemessen an der Performance anderer Rapper schätze ich meine Songs als nicht soooo schlecht ein. Weiterlesen

Zwischen allen Stühlen – Teil II

(Nicht nur) eine Rezension des Buches „Interventionen gegen die deutsche `Beschneidungsdebatte`“ von Zülfukar Cetin; Heinz-Jürgen Voss; Salih Alexander Wolter

Ende 2012 erschien im edition assemblage-Verlag ein Buch zur sog. Beschneidungsdebatte des Sommers 2012. Erst mal eine begrüßenswerte Sache – fehlte in besagter Debatte doch vor allem eins: hörbare sachlich-reflektierte, emanzipatorische Stellungnahmen zum Thema und zur Debatte. Doch die Hoffnung auf eine solche wird mit dem vorliegenden Buch enttäuscht. Weiterlesen

Drop It!

Hier gibt es meinen neuen Track „Ich meine“. Inspiriert durch die Tatsache, dass Talent und gute Inhalte keine Grundvorraussetzung dafür sind, in bestimmten Szenen beliebt und erfolgreich zu sein, entstand dieser Song in den letzten zwei Wochen. Einer der Inspiratoren, namentlich Holger Burner, tritt heute abend im AZ Wuppertal auf. Da kann man nur sagen: Es kommt zusammen, was zusammen gehört. Über diesen Burner ist schon ausführlich berichtet und kritisiert worden, deswegen spare ich mir hier weitere Ausführungen. Zusammen gefasst kann man in etwa sagen: Keine Skillz treffen auf krude Ideologie. Für so jemanden ist das AZ Wuppertal als Hort der Regression eine mehr als geeignete Lokation.

Viel Spaß

 

Zwischen allen Stühlen – Anmerkung zu aktuellen Mediendebatten

S1R hat mich netterweise als Gastautor zu diesem Blog eingeladen; d.h. hier werden ab und an mal Texte aus anderer Feder auftauchen. Et voilà:

Würde ich eine militärische Metapher benutzen wollen, stünde hier was vom Zwei-Fronten-Krieg. Aber zum einen tue ich dies ungern; weniger wegen einer Aversion gegen Militär, als zur Vermeidung  der Relativierung von Kriegsgeschehen. Und zum anderen ist das Problem mehrdimensional und wirkt nur auf  den ersten Blick binär. Und zwar in dem Moment, wenn man feststellt das Leute feststellen, das Augstein weder Göbels noch Ahmadinedschad ist, aber trotzdem nicht harmlos, sondern ein moderner Antisemit mit zahlreichen Verteidigern in den verschiedensten Medien und dem Sumpf des modernen Stammtischs – der Kommentarspalte[1]. Und dann selbige Leuten allen Ernstes behaupten: Brüdele ist nicht Ahmadinedschad – ergo harmlos und irrelevant (sinngemäß). Weiterlesen